Erfolg beginnt im Kopf

Sportpsychologie für Turnierreiter


Jeder Erfolg beginnt im Kopf. Leider auch jeder Misserfolg.

Ohne Selbstvertrauen und positive Einstellung kann kein Hobby- oder Leistungssportler gute Ergebnisse und Zufriedenheit erzielen. Durch sportpsychologisches Training werden körperliche Leistungen über mentale Vorgänge gesteuert und verbessert. Catherine entwickelt als Sportpsychologe lösungs- und ressourcenorientiert für jeden Sportler individuelle Methoden und Übungen zum Erreichen seiner persönlichen Ziele. Beim Reiten ist mentale Stärke besonders wichtig, denn Zweifel und Unsicherheiten übertragen sich direkt auf den Sportpartner Pferd und machen Erfolgserlebnisse nahezu unmöglich.

Was Sportpsychologie Training im Allgemeinen ist.

Per definitionem versucht die Sportpsychologie menschliches Verhalten, Handeln und Erleben im Praxisfeld Sport zu erfassen. Das klingt natürlich sehr theoretisch. Praktisch bedeutet das, dass sich die Sportpsychologie damit beschäftigt wie man es erreicht, dass im entscheidenden Moment der Kopf den Sportler unterstützt und nicht behindert. Dabei darf der Begriff „Sportler“ nicht so verstanden werden, dass es sich nur um Wettkampfsituationen und Profis handle. Nein, auch jeder Freizeitsportler kann die Freude an seinem Hobby und seine Leistung über den Einsatz von Sportpsychologie steigern!

Darüber hinaus ist es mir aber an dieser Stelle wichtig zu betonen, dass Sportpsychologie mehr ist als erprobte Methoden an Sportlern anzuwenden. Oft ist eine intensive Auseinandersetzung mit der Persönlichkeit des Sportlers, seiner Biografie und daraus resultierenden Überzeugungen, Mustern und Glaubenssätzen erforderlich, um wirklich zum Ergebnis zu kommen. Wenn beispielsweise jemand bewusst oder unbewusst von sich selber denkt, dass sich jeder Erfolg in seinem Leben nur aufgrund von Glück und Zufall ergab, wird er nie dazu kommen sich selbst zuzutrauen, Leistungen abrufbar erbringen zu können. In diesem Fall ist es unumgänglich herauszuarbeiten und dem Sportler vor Augen zu führen, welchen Anteil und welche Verantwortung er selber an seinen Ergebnissen hat. So ist er in der Zukunft gefühlt nicht mehr von Außenfaktoren wie Glück und Pech abhängig, sondern hat das Erreichen seiner Ziele selber in der Hand – und das ist ein gutes Gefühl!

Welche Trainingsmethoden gibt es beim sportpsychologischen Training die man anwenden kann?

Meine Lieblingsantwort auf diese Frage ist, dass es so viele Methoden gibt, wie es Sportler gibt. Ich will damit sagen, dass man natürlich „Standardmethoden“ der Sportpsychologie nennen kann, so wie Visualisierung, Selbstgesprächsregulation, Steigerung der Kompetenzerwartung, Zielsetzungstraining und viele mehr. Die bekannteste Methode, von der sicher schon viele gehört haben, ist wohl immer noch das Visualisieren. Dabei werden Bewegungen und Handlungen in der Vorstellung durchgespielt, ohne dass gleichzeitig die entsprechende Bewegung praktisch ausgeführt wird.
Entscheidend finde ich allerdings, dass man für jeden Sportler „seine“ Methode findet und dass man Standardmethoden sehr individuell aufbereitet. Was dem einen hilft, bremst den anderen vielleicht sogar.
Um ein Beispiel zu nennen: Eine Reiterin fühlte sich beim Galopp stets ein wenig mulmig. Ihre Gedanken begannen gerne während des Galoppierens zu kreisen, sie fragte sich was alles passieren könnte, obwohl nie etwas passiert war. Es liegt auf der Hand, dass so kein entspanntes Galopptraining möglich ist. Die Methode die ihr half war, dass sie anfänglich während des Galopps den Dreitakt laut mitzählte, um so ihren Gedanken eine Aufgabe zu geben und diese nicht selbstständig werden zu lassen. Für einen anderen Reiter, mit dem gleichen Problem, kann diese Methode vielleicht gar nicht funktionieren, weil hinter dem mulmigen Gefühl ein konkretes Erlebnis steht, das es aufzuarbeiten gibt.
Natürlich verändern und entwickeln sich die Methoden mit der Zeit auch mit dem Sportler mit, diesem Prozess ist unbedingt Rechnung zu tragen.

Wie wichtig sportpsychologisches Training für Reiter ist.

Nun jeder Sportler – egal welche Sportart er betreibt – setzt sich mit sich selber auseinander um gute Leistungen zu erzielen, oder eben auch nicht zu erzielen. Beim Reiten bekommt diese Auseinandersetzung über den Partner Pferd eine ganz andere Relevanz und Dimension. Das Pferd reagiert stets auf die Gedanken und Gefühle des Reiters, sogar auf Gedanken und Gefühle, die dem Reiter selber vielleicht noch gar nicht bewusst sind.
Ein einfaches Beispiel, das jeder wahrscheinlich schon einmal gehört oder erlebt hat: wenn der Reiter große Angst vor zum Beispiel Traktoren hat, kann er selbst ein sicheres Pferd durch seine Gedanken, die wiederum seinen Körper in Alarm versetzen, verunsichern. Wie sich diese Situation dann erst mit einem unsicheren Pferd zuspitzt liegt auf der Hand. Im Gegensatz dazu weiß man auch, dass ein in sich ruhender Reiter selbst ein ängstliches Pferd entspannt durch potenziell heikle Situationen pilotieren kann.
Neben solch offensichtlichen Beispielen ist das Thema Sportpsychologie beim Reiten natürlich noch viel tief greifender, weil oft hinter Problemen oder nicht zu erbringenden Leistungen Gedanken über die Beziehung zum eigenen Pferd stecken. Beispielsweise hatte eine Reiterin das Problem, im entscheidenden Moment am Turnier nicht mehr aktiv zu reiten, obwohl sie viele Jahre Erfahrung im Turniersport und nie einen solchen Leistungsabfall hatte. Es stellte sich im Gespräch heraus, dass der Koppelpartner ihres Pferdes gerade in einen anderen Stall gezogen war. Sie hatte ihrem Pferd gegenüber deshalb ein ganz schlechtes Gewissen, weil dieses nun alleine raus musste. Dieses schlechte Gewissen hinderte sie daran, von ihrem gesunden und fitten Pferd Leistung abzufragen. Erst als ihr das bewusst und ein neues Koppelpartner gefunden war, klappte es am Turnier wieder wie vorher.

Sollten auch Kinder/Jugendliche sportpsychologisches Training machen?

Auf jeden Fall, wobei es bei Kindern und Jugendlichen ganz besonders wichtig ist, die Methoden auf ihr Alter und ihren Entwicklungsstand perfekt abzustimmen. Sprich, es handelt sich meist um einen sehr spielerischen Zugang. Je früher man anfängt, ein Kind in seiner Persönlichkeitsentwicklung adäquat zu fördern, desto besser, wofür sich Sport natürlich ideal eignet.

Man muss sich sportpsychologische Förderung aber nicht zu komplex vorstellen, oft sind es Kleinigkeiten die zählen und viel bewirken. Ein Beispiel: Ein Kind springt das erste Mal einen fehlerfreien Parcours. Wenn der Trainer das nun (und in Zukunft) so kommentiert, dass das Kind Glück gehabt habe, dann baut er genau die innere Einstellung auf, die ich bei der ersten Frage erläutert habe. Lobt er hingegen das Kind und arbeitet heraus, was es genau gut gemacht hat, so wie beispielsweise eine sehr saubere Linienführung, sieht es, wo seine Stärke liegt und kann diese zukünftig besser ausbauen. Das Kind versteht so, dass es das Ergebnis damit selber in der Hand hat. Genau so wichtig ist es auch, Misserfolge in der gleichen Art aufzuarbeiten. Auch hier geht es darum Verantwortung zu übernehmen und einen Misserfolg nicht einfach mit „Pech“ abzutun, sondern konkret zu analysieren. Hat man zu wenig geübt, oder klare Reitfehler gemacht, kann man das ändern, Pech ist ein Schicksal das man nicht beeinflussen kann.

 

Das ist angewandte Sportpsychologie, wie sie täglich bei jedem Training von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zum Einsatz kommt!

Auszug aus dem Interview https://horsesandhands.wordpress.com/2016/03/18/sportpsychologie-im-reitsport/