Weidenrinde

Beschreibung

Wissenschaftlicher Name: Cortex Salicis conc., Salix caprea

Inhaltsstoffe: Salicylsäure, Catechingerbstoffe, Kaffeesäurederivate, Flavonoide

Hergestellt aus der frischen, gereinigten und schonend getrockneten Ware.

 

Fütterungshinweis

 

Großpferde (600 kg LG) 10 g - 20 g / Tag. Ponys und Kleinpferde entsprechend anpassen.

Teezubereitung: 5 g Rinde in 150 ml Wasser aufkochen, abkühlen lassen und mit dem Krippenfutter verabreichen.

Hinweis: Bitte beachten Sie die Anti-Doping- und Medikamentenkontroll-Regeln

 

Die Weidenrinde steckt voller überraschender Substanzen und einer davon ist der Acetylsalicylsäure ähnlich. Sie ist eine anerkannte Heilpflanze und kommt unter anderem bei Fieber, Kopfschmerzen und Arthrose zum Einsatz.

Weidenäste sind nicht nur ein wunderbares Ausgangsmaterial, um kunstvolle Körbe zu Flechten, Besen herzustellen oder Zäune anzufertigen. Auch Hexen sagte man in längst vergangenen Zeiten nach, dass sie aus Weidenzweigen flugfähige Besen gebaut hätten. Außerdem sollen sich böse Weibsbilder in Weidengebüschen versteckt gehalten haben. Wer sich an das Gesträuch zu nah heranwagte, dem wurde ein ordentlicher Schrecken eingejagt. Heilkundige hingegen sahen in der Weidenrinde alles andere als ein erschreckendes Gewächs.

Bereits in der Antike nutzten sie das Gehölz, um Fieber zu senken und Schmerzen zu lindern. Im Jahr 1828 gelang es den Wissenschaftlern der damaligen Zeit erstmalig, einen der wirksamsten Inhaltsstoffe der Weide zu isolieren. In der Rinde steckt das Salicin, das 10 Jahre später, 1838 einem Forscher namens Piria auffiel. Ihm gelang es, aus Salicin die Salicylsäure herzustellen. 1838 gab es also schon so etwas Ähnliches wie Aspirin, das nicht nur wirksam gegen Kopfschmerzen war.

Ende des ausgehenden 19. Jahrhunderts stieß der Apotheker Felix Hoffmann auf die Salicylsäure. Er experimentierte ausgiebig mit der Substanz und entwickelte die Arznei Acetylsalicylsäure. Es gehört auch heute noch zu den bekanntesten Schmerzmitteln weltweit und ist Hauptsubstanz in Aspirin.

Die Inhaltsstoffe der Weide sitzen überwiegend in der Rinde. Die beiden bevorzugten Arten, aus denen die Inhaltsstoffe gewonnen werden sind die Silberweide (Salix alba) und die Purpurweide (Salix purpurea). Allerdings kommen gelegentlich auch andere Arten zum Einsatz.

In der Weidenrinde lagert sich bis zu 11 % Salicylate an. In der Purpurweide sind es mit knapp 4 % erheblich weniger, als in der Silberweide. Bei den Salicylaten handelt es sich um einer Gruppe von Pflanzenstoffen, denen auch Salicin und Salicortin angehören. Salicin ist der Stoff, der eine vergleichbare Wirkung mit Acetylsalicylsäure (Aspirin) erreicht. Es ist ein natürliches Schmerzmittel. Chemisch gehört es zu den Salicylalkoholglycosiden.

Es wird im Darm aufgespalten und reagiert zu Salicylalkohol und Glukose. Damit wird es für den Organismus verfügbar und kann seine Wirkung entfalten. Weitere Inhaltsstoffe der Weidenrinde sind Phenolheteroside. Sie wirken abstoßend auf Schädlinge und Pilze. In den pharmazeutisch genutzten Weidenrinden stecken neben Salicylaten und Salicin diese Inhaltsstoffe:

  • Fragilin
  • Populin
  • Salicortin,
  • Salireposid,
  • Picein,
  • Phenolische Verbindungen wie Triandrin und Vimalin,
  • Aromatische Alkohole,
  • Aldehyde,
  • Salicylalkohol (=Saligenin),
  • Syringaaldehyd,
  • p-Hydroxybenzoesäure,
  • Kaffeesäure,
  • Ferulasäure,
  • p-Cumarsäure,
  • Vanillinsäure,
  • Syringasäure,
  • Acetylderivate und Benzolderivate diverser Inhaltsstoffe,
  • Flavonoide: Quercetin-Glycoside, Luteolin-Glycoside, Eriodctyol-Glycoside und andere,

Von allen diesen Inhaltsstoffen ist in erster Linie das erstgenannte Salicin von Bedeutung, obgleich das Zusammenwirken mehrere Bestandteile für seine ausgeprägte schmerzstillende Wirkung eine Rolle spielen soll, wie jüngste Berichte aus Forschung und Wissenschaft anmerken.

Weidenrinde bringt gleich mehrere Wirkprinzipien und Wirkungen mit sich. Zum einen wirkt es entzündungshemmend und es hilft dabei, blutende Wunden zu stillen. In diesem Zuge sorgt es dafür, dass sich die Zellen zusammenziehen. Außerdem soll die Wirkung schmerzstillend sein. Als Schlagworte ist in medizinischen Ausführungen zu finden, dass Weidenrinde

  • antipyretisch (fiebersenkend),
  • analgetisch-antirheumatisch (schmerzstillend bei Rheuma) und
  • antiseptisch (keimreduzierend)

wirkt. Außerdem wird Weidenrinde als so genannte „Prodrug“ bezeichnet. Damit sind wenig aktive oder nicht aktive pharmakologische Stoffe gemeint, die erst in der Reaktion im Körper mit anderen Stoffen im Stoffwechsel aktiv werden. Prodrugs verbessern die Wirkungsweise von Medikamenten, denn sie unterstützen die bessere Aufnahme von Wirkstoffen im Körper. Das erhöht die Bioverfügbarkeit.

Gelegentlich verstärken Prodrugs auch die eigentliche Wirksubstanz, im schlimmsten Fall auch die Auswirkungen von nicht gewünschten Effekten (Nebenwirkungen). Im Falle von Weidenrinde erfolgt die Aufspaltung von Wirkstoffen im Darmtrakt in die Bestandteile Traubenzucker und Salicylalkohol. Die Salicylsäure wird es dann erzeugt, wenn das Saligenin vom Körper aufgenommen wurde.

Weidenrinde senkt das Fieber. Diese Wirkung hat etwas mit der Hemmung von entzündungsfördernden Stoffen im Körper zu tun. Die Salicylsäure ist dabei der stärkste Akteur. Sie greift in die Produktion der entzündungsunterstützenden Enzyme ein. Abgesehen davon nimmt die Salicylsäure Einfluss auf die Blutgerinnung. Die Umwandlung des Stoffs im menschlichen Körper verläuft nur sehr langsam. Das bedeutet in der Praxis, dass die Wirkungen recht spät einsetzt, dafür aber lange vorhält. Nehmen Patienten typische Präparate mit den Wirkstoffen der Weidenrinde ein, kann es unter Umständen bis zu 14 Tage dauern, bis sie ihre Wirkung verspüren. Weidenrindenmedikamente sind deshalb nicht bei akuten Schmerzen angezeigt. Jedoch sind sie ideal bei chronischen Schmerzen wie zum Beispiel in Rücken und Gelenken.

Besonders auffällig ist die gute Verträglichkeit von Weidenrindenmedikamenten. Sie weisen nur eine geringe Nebenwirkungsrate auf, wenn man sie mit nachgebauten, synthetischen Produkten (Salicylaten) vergleicht. Ein weiterer entscheidender Vorteil der natürlichen Stoffe aus der Weidenrinde ist, dass die Funktion der Thrombozyten in keiner Weise beeinflusst wird. Synthetische Acetylsalicylsäure jedoch nimmt Einfluss darauf.

Therapeutisch relevant können natürliche Weidenrindenextrakte deshalb auch zur Schmerzbehandlung nach operativen Eingriffen zum Einsatz kommen. Aspirin hingegen ist aufgrund der damit einhergehenden Blutverdünnung kontraindiziert. Die Vorteile natürlicher Weidenrinden-Medikamente liegen darin, dass sie langfristig Schmerzen stillen, aber den Heilungsprozess nicht negativ beeinflussen.

Die chemisch nachgebauten Salicyl-Verbindungen, wie sie zum Beispiel Aspirin zu finden sind, hemmen die Fähigkeit des Blutes, zu gerinnen. Der Nachteil ist, dass Patienten mit einem hohen Acetylsalicylsäurepegel verstärkt zu Blutungen neigen. Der Vorteil ist, dass eine verbesserte Durchblutung auch für einen klaren Kopf sorgt. Nicht umsonst wird Aspirin als das Kopfschmerzmittel Nummer 1 angepriesen.